New York New York

Die Sicherheitskontrollen waren zeitraubend. Es muss 1986 gewesen sein als ich das erste Mal in die USA geflogen bin. Aus Kostengründen habe ich die günstigste Air-Line genommen. El Al ab Brüssel, direkt nach New York. Wenn jemand je auf die Idee kommen sollte mit der El-Al zu fliegen – stellen sie sich auf aufwendige Sicherheitsvorkehrungen ein. Und das nicht einmal, mindestens zwei Mal von unterschiedlichen Sicherheitsmitarbeitern. Mein Programm war umfangreich. Sechs Wochen USA, kreuz und quer über das Land. Urlaub und Geschäft zusammen. Aber keinen Plan, keine Verabredungen, aber alles sehen wollen, überall hinwollen. New York, Chicago, San Franzisko, welch große Namen und ich kaum englischsprechend oder verstehend. Schon die Einreiseformalitäten waren eine Herausforderung.
Mein erstes Ziel New York. 15 Uhr Ortszeit Ankunft auf dem JFK-Flughafen. Und wo ist New York? Der Flughafen ein Labyrinth, jedenfalls wenn man aus Ostwestfalen kommt und nie geflogen ist.
Gepäck für Sechs Wochen auf den Schultern und los geht es, es muss doch hier irgendwo eine Möglichkeit geben, um nach New York zu kommen. 16 Uhr gefunden, ein Schild, scheinbar eine Bushaltestelle für den Bus in die City. Es stehen schon Menschen da, ich stelle mich einfach dazu, und warte.
16.30 ein recht runtergekommenes Taxi hält vor dem Schild. Der Fahrer, ein Farbiger, mit breiter amerikanischer Stimme.
„Hey guys there is no bus down town, a brigde is broken, i can drive you down town, i know a way to.“ Keine Regung von uns. „Okay, i can just tell you, no bus“ von ihm. Er wartete noch einige Sekunden, wir standen regungslos ins Nichts guckend. Er fuhr weiter, wir fingen an uns zu unterhalten. Ein Bus kam nicht. Ein Teil der Gruppe machte sich auf den Weg, wohin, unbekannt. Zu dritt blieben wir stehen, wir hätten auch nicht gewusst wohin.
17 Uhr, der Taxifahrer fuhr wieder vor. „I tell you, no chance to go down town by bus. I will make you a good price 10 Dollar each“ Unsere Starrheit weichte allmählich auf. Aber unsere Unsicherheit blieb. Der Taxifahrer zuckte mit den Schultern und fuhr weiter.
Und wenn wirklich die Brücke gesperrt ist, wenn wir zu dritt zu ihm ins Taxi steigen, was kann passieren? 10 Dollar wäre auch okay. Was meint Ihr?
17.30 er war wieder da. „Really, no chance to go down town – 10 Dollar each, i know a way down town“
Er kannte sein Geschäft, er kannte die Neuankömmlige in New York. Ohne unser ja, stieg er aus, öffnete den Kofferraum und fing an unser Gepäck zu verstauen. „Believe me, you are doing well to come with me“ Und schon saßen wir zu dritt, krampfhaft unser Handgepäck haltend, in einem Taxi in Richtung New York.
Ich saß vorne, der Sitz war butterweich, das Armaturenbrett war voll mit Aufklebern, die Musik hatte ich noch nie gehört.
Das Taxi machte eine große Runde, vorbei an den ganzen Fluggesellschaften, bevor es dann auf die Straßen in Richtung City ging.
Und das sollte jetzt New York sein? Straßen über Straßen, die Häuser direkt mit der Tür zur Straße hin. Ein- Zweifamilienhäuser Kilometer um Kilometer. Stromleitungen direkt zwischen den Häusern und der Straße. Ich hatte mir New York irgendwie anders vorgestellt.
Der Himmel war bei T-Shirt Temperaturen ziemlich trüb und ausladend. Es gab glaube ich keine Abbiegung, die unser Fahrer nicht fuhr. Ob es die richtige Richtung war, wir wussten es nicht und wir wussten auch nicht, ob unser Fahrer sie wusste. Ich versuchte immer an Straßenschilder zu erkennen, wo wir waren. Zwecklos, ich konnte es nicht rausfinden.
18.30 er stoppte den Wagen und stieg aus. „Here we are – New York Bus terminal“
10 Doller each. Wir konnten es irgendwie nicht richtig fassen. Wir waren nicht entführt worden, wir waren angekommen – New York City.
Mit uns angekommen war auch ein Bus mit der Aufschrift – JFK-Airport-Shuttle.
……. wir waren mit dem Taxi angekommen.
Die anderen Beiden nahmen ihr Gepäck, ein kurzes „mach es gut“ und waren in verschiedene Richtungen verschwunden. Ich blieb wie angewurzelt stehen und realisierte in diesem Augenblick das ich nicht die Idee von einem Plan hatte.

New York Port Authority, mittendrin, Menschen überall. Die typische Greyhound Hupe, Durchsagen. Busse, die anfahren und stoppen. Menschen mit schwerem Gepäck. Menschen in allen Farben. Menschen die schnell gehen oder warten. Die Temperatur war immer noch auf T-Shirt Niveau, warme Feuchtigkeit.
Ich versuchte einen Plan zu entwickeln. Wohin, wie komme ich an ein Hotel, welche Richtung. Ich war überwältigt und restlos überfordert. Ich wollte nur noch weg aus diesem Chaos, wo ich doch unbedingt hinwollte. Um 19.30 saß ich mit meinem Delta-Airlines Standby Ticket in dem Shuttle-bus zum New Yorker Flughafen La Guardia. Um 21.30 nahm ich den Delta-Flug nach Chicago, wo ich dann morgens um kurz vor eins angekommen bin. Das Lied von Graham Nash “ Won’t you please come to Chicago“ im Ohr wartete ich auf unbequemen Flughafen Bänken auf den nächsten Morgen. Ab und an fuhr eine von den großen Reinigungsmaschinen mit Blinklicht und Sicherheitsgeräuschen an mir vorbei.

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